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Tränen und Ratlosigkeit beim VfL
Spielbericht der NÜRNBERGER ZEITUNG vom 21.01.2012
Nach dem 1:3 gegen Lohhof rückt der Abstieg für die Volleyballerinnen näher
NÜRNBERG - Sabrina Hänsel weinte hemmungslos an der Schulter ihres Mannes und Trainers Michael, und auch die anderen Volleyballerinnen hatten mindestens feuchte Augen. Nein, das 1:3 (28:26, 14:25, 14:25, 19:25) gegen den SV Lohhof besiegelte noch nicht den Abstieg des VfL Nürnberg aus der zweiten Bundesliga Süd. Aber die Volleyballerinnen stehen wieder einen Schritt näher am Abgrund.
„Dieses Bayern-Derby ist immer ein besonderes Spiel, auf das
man sich freut. Auch das Niveau war gut“, sagte Diagonalspielerin
Hänsel später. „Umso enttäuschter ist man, wenn man so verliert.“ Als
aussichtslos schätzt die 30-Jährige die Situation des VfL nicht ein.
„Aber die Luft wird dünner.“ Und zu Hause mit ihrem Ehemann ist es
zunehmend frustrierend, ständig über den Abstiegskampf zu sprechen. „Bei
uns wird jede freie Minute in Volleyball investiert, da wünscht man
sich einfach mal ein Erfolgserlebnis.“
Zunächst sah es sogar
danach aus, als ginge dieser Wunsch gegen den Erzrivalen in Erfüllung.
Von der ersten Sekunde an waren die Gastgeberinnen voll da. Sie setzten
Lohhof sofort mit dem Aufschlag unter Druck, der Block stand
bombensicher, und die Schmetterbälle krachten ins gegnerische Feld. Nach
dem 3:1 entwickelte sich ein zähes Ringen mit dem SVL, der auch mit 9:8
und 10:9 in Führung ging. Als eine Einheit, deren Feuer und
Entschlossenheit spürbar war, zwangen die VfL-Frauen die Gäste aber
immer wieder zu Fehlern und erspielten sich so einen
Sechs-Punkte-Vorsprung (19:13). Als seine Frau Sabrina mit einem
platzierten Diagonalschlag zum 24:21 den Satzball holte, ballte Trainer
Michael Hänsel die Becker-Faust. Er musste allerdings wieder zittern,
denn noch dreimal glich Lohhof aus, bis die VfL-Frauen den ersten
Durchgang verdient mit 28:26 unter Dach und Fach bringen konnten.
Wer nun glaubte, ein knapp gewonnener, mit großem Willen erkämpfter Satz wäre Balsam fürs Selbstvertrauen und gäbe einen Schub, der sah sich getäuscht. Das Gegenteil war der Fall. „Sie haben sich von den Fehlern am Ende des ersten Satzes verunsichern lassen, statt sich mit dem Satzgewinn aufzubauen“, sagte Trainer Hänsel. „Dadurch sind sie wieder in den Fehlermodus hineingekommen.“
Plötzlich wirkten die Nürnbergerinnen wie gelähmt und
agierten fahrig. „Das war wohl Angst vor der eigenen Courage“, vermutete
Sabrina Hänsel. Schnell waren der zweite und dritte Satz weg. Im
vierten Durchgang war bis zum 6:6 ein Aufbäumen spürbar, doch nach dem
6:7 und einer unberechtigten Gelben Karte für VfL-Coach Hänsel riss der
Faden erneut.
Außenangreiferin Florentina Büttner (23) war
ratlos: „Wenn wir wüssten, warum wir nicht konstant spielen, würden
wir’s ändern und alle Spiele gewinnen.“ Eine Erklärung fand auch Annette
Groner nicht. „Wir hatten uns viel mehr vorgenommen“, sagte die
29-jährige Zuspielerin. Sie glaubt weiter an den Klassenerhalt. „Solange
es rechnerisch möglich ist, gebe ich die Hoffung nicht auf. Nach der
halben Saison den Kopf in den Sand zu stecken, das macht kein Sportler.“
Der Coach ist für Groner nicht der „Sündenbock“: „Wir kommen jede Woche
mit Begeisterung ins Training, sind motiviert und haben Spaß, auch mit
unserem Trainer.“
Michael Hänsel, ehemaliger Bundesligaspieler in Dachau, Unterhaching und
Eltmann, ist durchaus kritisch mit sich, zumal der VfL Nürnberg für ihn
die erste Station als Chefcoach ist. „Ich muss mich als Trainer ganz
klar hinterfragen“, sagte der 33-Jährige, der beim VfL bereits als
Co-Trainer unter Michael Raddatz gearbeitet hat. „Aber ich habe ein
gutes Gewissen, dass ich nichts falsch gemacht habe. Ich werde weiter
alles versuchen.“
Die Lage des VfL Nürnberg ist allerdings schon
jetzt prekär, das weiß auch der Coach: „Um nicht abzusteigen, brauchen
wir Schützenhilfe von den anderen Teams.“ Und einen Sieg am Samstag in
Vilsbiburg.
VfL: Groner, Muswieck, Wrede, Hänsel, Büttner, Müller, Wirth, Colburn, Soloninkina, Neumüller.
Melanie Scheuering
Originalartikel mit Bild im Online-Angebot der NZ
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